Dresden wächst. In Dresden werden entgegen allen Trends mehr Kinder geboren und viele junge Familien gründen in der Landeshauptstadt ihr Zuhause. Das ist ein sehr glücklicher Umstand.
Allerdings hat man dies spät – zu spät erkannt. Was schon eine ganze Zeit im Bereich der Kindertagesstätten deutlich wurde zeigt sich nun auch im Bereich der Schulen. Dresden steht vor einem erheblichen Engpass. In Dresdens Schulen wird es eng, in wenigen Jahren reicht der Platz nicht mehr für alle Kinder. Dies betrifft Grundschulen und Gymnasien in erster Linie. Hier hat Dresden eindeutig „geschlafen“. Seit 1992 wurden 20 Grundschulen, 34 Mittelschulen und 6 Gymnasien geschlossen, als Beispiel seien hier das Fritz-Löffler-Gymnasium genannt, dessen letzte Klasse verließ die Schule 2008 und die letzte Grundschulen wurde 2009 geschlossen. Zu diesem Zeitpunkt aber war bereits absehbar dass in Dresden der landesweit beobachtete Schülerrückgang nicht Realität ist sondern dass in der Landeshauptstadt einiges anders läuft.
Die Schulnetzplanung – Aufgabe der Kommune – hat sich also als Fehlplanung erwiesen. Nicht vorausschauend sondern äußerst kurzsichtig wurde hier geplant und ein Zustand geschaffen der Dresden vor schwer lösbare Probleme stellt. Zudem sind 80% der Dresdner Schulen in keinem guten Zustand – sie sind in höchstem Maße sanierungsbedürftig. 2008 bezifferte man aufgrund einer Datensammlung des Hochbauamtes den gesamten Schulnetzplanung der Dresdner Schulen auf 650 Millionen Euro – eine astronomische Summe.
1992 hatte man begonnen, einzelne Objekte zu sanieren allerdings immer nach dem Motto „Klotzen statt kleckern“. So kam es dass einige Schulen sehr umfangreich und aufwändig saniert wurden aber der Großteil nur geringfügige Verbesserungen erfuhr oder aber seit der Wende nahezu nichts passierte. So ist es keine Seltenheit dass die Elektrik mancher Schulen noch aus dem 70er Jahren stammt. Öffentliche Gebäude, die saniert wurden, müssen spätestens nach 25 Jahren wieder baulich instandgesetzt werden – das heißt, dass die ersten Schulen, die man nach der Wende saniert hat, in 7 Jahren wieder „fällig“ sind. Das heißt, dass zu den aktuell notwendigen Baumaßnahmen weitere hinzukommen. Jede Verzögerung vergrößert das Problem und damit den Finanzbedarf erheblich.
Unsanierte Schulen bedeuten Sicherheitsrisiken, bedeuten verschenkte Kapazität und sie behindern die pädagogische Arbeit. Der „Arbeitsplatz“ unserer Kinder, der Ort, an dem Sie die meiste Zeit des Tages über ihre Kindheit und Jugend verbringen sind die Schulen. In einer Umgebung die so mancher nicht als Arbeitsplatz akzeptieren würde.
Es ist kein Wunsch nach Luxus sondern durchaus eine existentielle Frage vor der Dresden steht nämlich: wie kann schnell und nachhaltig das Schulproblem gelöst werden? Wichtig ist zuerst, der Realität ins Auge zu sehen, eine Einsicht die so manch eine(r) noch nicht gewonnen hat. Im Herbst werden wichtige haushaltspolitische Entscheidungen getroffen – auch die, wie viel man in Schulen investieren will und welche Prioritäten für Dresden gelten sollen.
Das Projekt „Dresden macht Schule“ soll helfen, Realitäten zu verdeutlichen und immer wieder daran zu erinnern, dass Schule kein Luxus ist sondern dass es zu den Pflichtaufgaben einer Kommune gehört, für ausreichende Kapazität zu sorgen und die Gebäude instand zu halten. Wir möchten Eltern, Schülern und allen, die an Bildung interessiert sind, Probleme öffentlich zu machen aber auch gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Die hier veröffentlichten Bilder und Beschreibungen stammen aus dem „Schwarzbuch Schule“ des Kreiselternrates Dresden von 2008 bzw. uns zugegangenen Materialien – Vollständigkeit können wir daher nicht beanspruchen.